Blogs sind die Quelle von Konversationen
Übersetzt von Ingmar Link. Hier der Original-Artikel auf Französisch
Der Artikel wurde auch übersetzt auf:
BEST OF 2010: Dieser Post wurde am 28.10.2010 veröffentlicht
Ist der riesige Erfolg der sozialen Netzwerke wie Twitter und Facebook eine Gefahr für die Existenz der Blogs, die ein zu “traditionelles” Format geworden sind? Nein, antwortet der Franzose Frédéric Cavazza. Dieser ist Internetberater und Blogger und erklärt an dieser Stelle warum und wie die Blogosphäre sich weiterentwickelt. Die Blogs sind nicht tot! Habt Ihr etwa daran gezweifelt?
In letzter Zeit höre ich nur noch von Facebook, Twitter und Foursquare. Diese sozialen Netzwerke sind natürlich sehr aktiv, aber ich habe den Eindruck, dass sie im Vergleich zu anderen sozialen Medien und insbesondere den Blogs überschätzt werden. Ich möchte mit diesem Artikel zwei Dinge betonen:
1. Der Blogosphäre geht nicht die Luft aus, sie ist bloß im Wandel;
2. Die Blogs sind der Rohstoff für Konversationen, die die anderen sozialen Medien in Gang bringen, darunter auch jene, die den schnellen Austausch begünstigen (Twitter und Facebook).
Um meine Argumente zu untermauern nutze ich mehrere große Studien, die vor kurzem veröffentlicht wurden.
Der Blogospäre geht nicht die Luft aus, sie ist im Wandel
Die Firma eMarketer hat zuerst einen Bericht zur Nutzung von Blogs erstellt, der letzten Monat in den USA erschienen ist: Blogging is Alive and Well, Says Report. Nicht nicht die Anzahl der Blogbesucher wächst, sondern auch die Zahl der US-Blogger:
Diese Zahlen sind nur Prognosen. Dennoch sind die Analysten sehr optimistisch was Blogs angeht, zumindest auf dem US-Markt. Diese Tendenz wird von BlogPulse bestätigt, das bereits ungefähr 150 Millionen aktive Blogs gezählt hat: State of The Blogosphere in 2010.
Das Panel ist global und zeigt uns vor allem, dass die englische Sprache in der Blogosphäre überwiegt. Das hängt damit zusammen, dass die englischsprachigen Länder Blogs mehr nutzen. Der Bericht bestätigt ebenfalls die Tendenz zur Stabilisierung der Schreiberzahl. Mehrere Dinge können diesen Stillstand erklären:
• Die Konkurrenz wird immer stärker aufgrund der Professionalisierung der Blogosphäre (was weniger motivierte Einsteiger entmutigt) ;
• Es gibt einfachere Alternativen für Leute, die nur ab und zu schreiben, wie Tumblr oder Posterous (und in gewissem Maße auch Twitter) ;
• große Plattformen wie MySpace oder Skyblogs leiden unter der Konkurrenz zu Facebook ;
• die Konzentration der Plattformen beschleunigt das Schließen von inaktiven Blogs (aktuelles Beispiel mit der Übernahme der Live Spaces Blogs durch WordPress : WordPress.com will likely receive far less than 30 million users from Windows Live Spaces).
(…) Eine andere Studie von Forrester bietet weitere interessante Details: A Global Update Of Social Technographics. Diese Studie beruht auf Daten von mehr als 275.000 Webusern und hebt das Entstehen einer neuen Benutzer-Kategorie hervor: die “Conversationalists“, wie es im Englischen heißt.
Diese neue Kategorie stellt fast ein Drittel der Nutzung von sozialen Medien dar und sorgt dafür, dass die Wachstumskurven der anderen Kategorien zunehmend flacher werden (Creators und Critics). Das Abflachen des Wachstums bei den Blogs erklärt sich also durch die Explosion der schnellen Konversationen, die das Ausdrucksbedürfnis der User befriedigen:
In Europa und auch in Frankreich kommen gewisse Content-Ersteller also auf eine weniger arbeitsintensive Ausdrucksform zurück (ungefähr 11 % der französischen Erwachsenen erstellen “soziale” Inhalte).
Bedeutet diese Tendenz das Ende der Blogs? Nein, überhaupt nicht, im Gegenteil!
Die Blogs sind der Rohstoff für Konversationen
Wir haben also gesehen, dass die Prinzipien des Darwinismus auch in der Blogosphäre zur Anwendung kommen: Nur die Motiviertesten überleben, die anderen entwickeln sich weiter. Diese Evolution ist aber nicht gleichbedeutend mit einer Veränderung der Kräfteverhätnisses: Die Blogger sind in der Minderheit, aber sie bleiben im Mittelpunkt des Interesses. Einerseits, weil die schnellen Konversationen nicht spontan entstehen, sie beruhen immer auf einer Quelle (den Blogposts). Andererseits, weil die zahlreichen Nutzer der Konversations-Plattformen (Facebook, Twitter) die Sichtbarkeit der Texte weiter verstärken. Anders ausgedrückt: Je weniger Blogger es gibt, desto sichtbarer werden sie, denn sie werden auf ihrer Plattform nicht der Konkurrenz ausgesetzt (A Blog is a Better Social Media Hub Than Twitter).
Dies bestätigt, was ich vor ein paar Monaten bezüglich der Qualität der Facebook Inhalte festgestellt hatte: Die interessantesten Konversationen entstehen und leben in unmittelbarer Nähre der Inhalte (der Blogs) und verlieren an Bedeutung, wenn sie sich davon entfernen (also durch mehrere Bindungsglieder bei Facebook und Twitter verkettet werden).
Fazit: Auch wenn die Zahlen zeigen, dass das Publikum (quantitatives Kriterium) bei Facebook konzentriert ist, sind die Blogs die Einflußquelle (qualitatives Kriterium). Es wäre daher sinnvoll, eine sowohl qualitative (bei Blogs und Foren, wo Diskussion tiefer gehen) als auch quantitative (bei Plattformen wie Facebook und Twitter, die einem Artikel oder Diskussion als Multiplikator dienen) Einrichtung zu schaffen.
Dieser Artikel wurde mit Einverständnis des Autors von E-Blogs gekürzt.
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