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Das Alphabet als Maschine zur Generierung neuer Ideen

Mündliche Überlieferung und Schrift, das sind zwei Stufen in der Evolution der Methoden, um Ideen festzuhalten. Welchen Beitrag haben die alphabetischen Systeme zum Fortschritt der Menschheit geleistet? Der spanische Blogger Sergio Parra erklärt es uns.

Wir gehen davon aus, dass Ideen einfach in unserem Kopf entstehen. Dabei gibt es sowohl innerhalb als auch außerhalb unserer Köpfe stimulierende Elemente, die es uns erlauben könnten, auf bisher unbekannte Weise auf neue Ideen zu kommen.

Laut dem Experten für alte Sprachen Eric Havelock und dem Psychologen David Olson ist das Alphabet eines dieser fantasieanregenden Elemente. Ihre These lautet, dass die Effizienz des griechischen Alphabets zu einer radikalen Veränderung des menschlichen Denkens geführt hat.

Dieses Alphabet, das die Abhängigkeit der Menschen von der mündlichen Überlieferung beendet hat, erlaubte uns auch, uns von Beschränkungen wie der Erinnerung und metakognitiven Strategien zur Bewahrung einer auf Oralität basierenden Kultur frei zu machen.

So eindrucksvoll solche Strategien auch waren, sie hatten ihren Preis. Manchmal auf subtile Weise, manchmal offen, schränkte die Abhängigkeit von Rhythmus, Erinnerung, Formeln und einer Strategie, das, was gesagt, behalten und geschaffen werden konnte, ein.

Maryanne Wolf zufolge war nicht allein das Alphabet für unsere kognitive Weiterentwicklung verantwortlich. Bereits tausend Jahre vor den Griechen löste die ugaritische Schrift (ein pseudoalphabetisches System) wichtige kulturelle Veränderungen aus. Bereits noch früher, in der akkadischen Literatur, findet man ein Aufblühen von Ideen (die teilweise sicherlich auf einer oralen Tradition fußten), die in einem logosyllabischen1, nicht alphabetischen System festgehalten wurden.

Wenn wir die Geschichte aus einer globalen Perspektive heraus betrachten, wird klar, dass die Entwicklung des intellektuellen Denkens der Menschheit nicht durch das erste Alphabet und schon gar nicht durch die Optimierung des Alphabets vorangetrieben wurde, sondern allein durch die Schrift an sich. Wie der russische Psychologe des XX. Jahrhunderts Lev Vygotsky sagte, werden Ideen allein durch die Aktion, Worte und Gedanken in Schrift zu fassen, stimuliert und verändert.

Wichtig scheint, dass es aus einer kognitiven Perspektive nicht so sehr das Alphabet war, das neue Ideen hervorbrachte, sondern dass die steigende Effizienz der Alphabet- und Silbensysteme bedeutete, dass die neuen Ideen mehr Leuten und in einem früherem Alter zugänglich wurden. Deshalb gab es mit der Geburt des griechischen Alphabets auch eine so fruchtbare Zeit für die Schrift, die Kunst, die Philosophie, das Theater und die Wissenschaft. Wahrscheinlich war es eine der explosivsten Entwicklungen in unserer Geschichte.

 
Anmerkung der Editoren:
1
Logosyllabisch: eine Kombination aus Logografie und Silbenschrift

Haben Sie eine Bemerkung zu der Übersetzung? Schreiben Sie uns: eblogs-feedback@wikio.com
Wikio

In → Spanien, Sprachen

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