Die Allheilmittel unserer Vorfahren: Igitt!
Übersetzt von Jan. Hier der Original-Artikel auf Italienisch
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Das italienische Literaturblog Sul Romanzo hat den seltenen Band eines Forschers über die Geschichte der Medikamente, Heiltränke und Wunderkuren in der Antike entdeckt. Der eklige Krötenschleim erfreute sich damals noch keiner Beliebtheit. Das magische Allheilmittel mit Wunderkräften von damals war….Urin! Nur die mutigsten und abgehärtetsten Leser sollten dieses Buch lesen. Es lebe die moderne Medizin!
In seinem kuriosen und seltenen Buch mit dem Titel Medico e Carnefice [etwa: Arzt und Henker], herausgegeben von einem medizinischen Verlag in Rom, erinnert Paolo Picca an die Verwendung “bestimmter abstoßender Stoffe” zur Heilung von Krankheiten.
Im Werk des hochgeschätzten Hippokrates, De superfetatione, wird der Konsum von Raupen und Mistkäfern, fettem Ziegenkäse und Eselsmilch, Ochsengalle und Eselskot als gesundheitsfördernd und wohltuend beschrieben. In De natura muliebri, einem anderen aufschlussreichen Werk des Griechen, werden dagegen der Kot von Ziegen und Maultieren, die heilbringenden Eigenschaften der Dasselfliege, des Hasenfells, des Urins, der Stiergalle und des Mistes an den Hufen des Esels empfohlen.
Folgende Heilmittel finden in De morbis mulierum Erwähnung: Das Haar des weißen Esels, Wolfskot, das Fett der Hammelniere, der verbrannte Damm einer Meeresschildkröte, der “Mutterkuchen der Frauen”, die Würmer im verfaulten Fleisch, verkalkte Mäuse und das berühmte Oesypum.
In De sterilitate geht es noch um einiges verrückter zu. Das faulige Urin der Frau, Schlangenfett, mit Aromen gefüllte, und im Wein geschmorte kleine Hunde, die getrockneten, und in die Vagina als Pessar einzuführenden Schamteile des Hirsches galten hier als Heilmittel der empirischen Apotheke. Xenokrates von Aphrodisias hat gar einen Traktat über die medizinischen Eigenschaften des Fledermausblutes, des Menstruationsblutes, des Ohrenschmalzes und der Exkremente geschrieben.
Dass organischen Substanzen, die man für gewöhnlich als abst0ßend ansieht, “magisch-medikamentöse Kräfte” zugeschrieben werden, liegt an der Überzeugung, dass Flüssigkeiten oder Abfälle lebender Materie durch Resorption Kräfte und Eigenschaften der Lebewesen, von denen sie abstammen, beinhalten sollen.
Blut ist die Flüssigkeit, von der sich die Seelen ernähren. Das wusste Odysseus sehr gut, als er in das Schattenreich hinabstieg, um den Seher Teiresias zu befragen.
Urin wurde von den Hexen bei der Zauberei verwendet, um es regnen zu lassen oder bestimmte Leiden an den Augen zu heilen.
Herodot erzählt dazu die merkwürdige Geschichte von Pheron. Dieser, Sohn von Sesostris, König von Ägypten, war wütend über den Nil, dessen Wasser ungeheuer angeschwollen waren. Er schoss daher einen Pfeil in die Fluten. Für diese Tat schlugen ihn die Götter mit Blindheit. Die Ärzte rieten ihm, sich die Augen mit dem Urin einer Frau zu waschen, die noch mit keinem anderen als ihrem Ehemann Geschlechtsverkehr gehabt hatte. Doch weder vom Urin der Königin noch von dem der Damen des Hofes ging eine Besserung aus. Pheron versuchte es daher mit dem Urin der Ehefrau des Gärtners und erhielt wunderbarerweise sein Augenlicht zurück. So wurde die Frau des Gärtners zur Königin gemacht, ihre Vorgängerin dagegen wurde zusammen mit den Damen des Hofes für ihre Untreue umgebracht.
Noch im XVI. und XVII. Jahrhundert war Urin als Medikament in Mode. [...]
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