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Fußball: Italien führt die “Fankarte” ein und zockt die Tifosi ab

Eine Verordnung des italienischen Innenministeriums vom 14. August gibt den Startschuss für die “Fankarte”, die von den einzelnen Fußballclubs ausgegeben wird. Zurzeit geht es noch nicht darum, die Tifosi datentechnisch zu erfassen, um die Hooligans aus den Stadien fernzuhalten. Stattdessen soll zunächst eine Klasse von “offiziellen Fußballfans” aus der Taufe gehoben werden. Was viele Fans wie den Blogger Italo wütend macht, ist die anstehende Kommerzialisierung des Fußballs. Denn die auf der Karte gespeicherten Daten werden verwendet, um dem Inhaber Rabatte, Produkte und kommerzielle Dienste anzubieten.

Foto Lessio/Flickr mit Creative Commons-Lizenz

Außer Innenminister Roberto Maroni und seinen eifrigen Jüngern gefällt niemandem in Italien die neue Fankarte. Das ist kaum verwunderlich, ist diese Fankarte doch ein Mittel zur Kontrolle, die die Rechte der Einzelnen begrenzt und eine Kommerzialisierung der Fußballleidenschaft ins Werk setzt, die mit dem Begriff ‘aufdringlich’ noch harmlos umschrieben ist. Man muss sich nur fragen, worum es sich bei dieser Karte handelt, um den Betrug aufzudecken. Die Fankarte wird als ein Mittel zur  “Kundenbindung” ausgegeben, die “alle Fans eines Clubs oder der Nationalmannschaft kennzeichnet”. Die Beziehung, die sich mit den Sportunternehmen einstellt, ist dieselbe, die  die “Welt des Handels jeden Tag mit ihren Kunden eingeht, wenn diese ihre Produkte kaufen”. Alle persönlichen Daten der Fans werden von den Sportunternehmen gespeichert und verwendet, “um ihren Kunden alle angebotenen Aktivitäten und Begünstigungen (etwa Preisabsprachen mit öffentlichen Verkehrsunternehmen und Restaurantbetreibern, reservierte Plätze, Geldkarten und vieles anderes mehr) vorzustellen”. Schließlich wird verlautet, dass “die Tätigkeit der Polizei im Rahmen der Fankarte ausschließlich in der Überprüfung eventueller Hinderungsgründe besteht und auf die notwendige Dauer begrenzt ist.” (Die Zitate wurden der Sportzeitung gazzetta.it entnommen).

Zusammenfassend heißt das: Die Karte erfasst unterschiedslos friedfertige und gewaltbereite Fans, kontrolliert ihre Bewegungen und bewirbt das Merchandising der Fußball- und Clubunternehmen. All das kann man für den bescheidenen Betrag von 10 Euro bekommen, die natürlich der Nutzer zu entrichten hat. Im Austausch erhält man nichts: “Die Fankarte – ist auf gazzetta.it zu lesen- ermöglicht es, innerhalb der Stadien bevorzugte Wege zu nutzen, mit weniger Kontrollen in die Stadien zu gelangen, an anderen Veranstaltungen des Fußballklubs zu einem günstigeren Preis teilzunehmen, Rabatte in angeschlossenen Geschäften oder beim Merchandising zu erhalten, leichter Tickets für internationale Wettbewerbe und Spiele der italienischen Nationalmannschaft kaufen zu können sowie privilegierte Laufwege innerhalb der Stadien auch bei Auswärtsspielen zu nutzen. Nicht zuletzt stellt der Kauf der Karte natürlich eine Investition in den eigenen Club dar und bietet eine gute Gelegenheit, für die Marke des Fußballclubs unter den Fußballfans zu werben”. Viel Lärm um nichts, eine Lobpreisung, die genauso nach Staub riecht wie die verkalkten Abgeordneten von La Lega und Pdl [die Partei "Volk der Freiheit", die Berlusconi ins Leben gerufen hat].

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Tags :
Wikio

In → Italien, Sport

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