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Polizeikontrolle und Scharmoffensive

BEST OF 2010: Dieser Post wurde am 03.11.2010 veröffentlicht
Bei der Ausführung ihrer Arbeit werden die Polizisten mit allerlei tragischen aber auch komischen Situationen konfrontiert. Den Alltag dieser “Basis-Bullen” erzählt uns Bénédicte Desforges, die gleichzeitig Polizeioberst, berühmte französische Bloggerin und talentierte Schriftstellerin ist. Ihre “chroniques de la police ordinaire” (Chroniken der normalen Polizei) erzählen oft sehr lustige, aber auch rührende und immer authentische Geschichten…

Foto : Rama, Wikimedia Commons

Wir kontrollierten Autos auf einer breiten Fahrbahn, damit wir zwei oder drei Autos parken konnten, ohne den Verkehr zu behindern. Jeder von uns hatte mit seinem Auto zu tun, das ist eine Routineaktion, die wir fast mechanisch ausführen. Führerschein, Fahrzeugschein, Versicherung; wenn alles in Ordnung war, ging es schnell. Manchmal gab es eine kleine Belehrung bei nicht angeschnalltem Gurt und auch ein paar Strafzettel, wenn notwendig.

Ich kontrollierte also die Papiere eines Fahrers, als meine Aufmerksamkeit sich meinem Kollegen zuwandte, der ein Auto kontrollierte, das ein paar Meter vor mir stand. Er war erstaunlich still, mit baumelnden Armen vor dem geöffneten Fenster. Er rührte sich nicht, schien wie vom Blitz getroffen, sprach auch nicht und sah total verloren aus.

Ich tat ein Schritt zur Seite, immer noch mit den Papieren und meinem Strafzettelblock in der Hand, um zu sehen was los war und die Situation zu verstehen. Ich sah seine erhobenen Augenbrauen und seinen starrer Blick ins Innere des Autos und ich machte mir langsam Sorgen. Schnell bekam ich es mit der Angst zu tun.

Im Sekundenbruchteil hatte mein Vorstellungsvermögen eine ganze Reihe an schrecklichen Szenarien ausgearbeitet. Der Fahrer war tot. Ein Toter saß neben dem Fahrer. Irgendetwas schreckliches war im Auto, vielleicht ein Tier, möglicherweise ein Reptil, das meinen Kollegen in so einen Schockzustand versetzt hatte. Ein riesiges Reptil. Oder ihm war schlecht geworden, eine Art Anfall und er würde bald umfallen.

Oder jemand hielt ihm eine Pistole ins Gesicht, diskret, ohne dass ich die Waffe sehen konnte. Und diese Vorahnung, die sich in meinem Geist bildete, brachte mich dazu, mich langsam in Richtung des Autos zu bewegen. Mein Herz schlug wie wild und meine Hand ruhte auf meinem Revolver.

Der Fahrer durfte mich auf keinen Fall sehen und ich schaffte es, mich im toten Winkel des Rückspiegels ran zu tasten. Mein Kollege starrte immer noch etwas dämlich vor sich hin und sah mich nicht. Und ich konnte den Fahrer wegen der Lichtspiegelung im Fenster immer noch nicht sehen. Ich traute mich auch nicht, meinen Kollegen anzusprechen, aus Angst, ich könnte irgendetwas auslösen.

Und dann sah ich es. Eine Szene, die ich mir nie im Leben hätte vorstellen können… Eine Frau, mit weit hochgezogenem Rock, die sich ihren Schenkel streichelte bis unter den Stoff, immer wieder hin und her.

“Aaaaah !” schrie ich. Beide fuhren zusammen, als ob eine Bombe zwischen ihnen explodiert wäre und mein Kollege sah mich an wie jemand, dem man gerade einen Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf geschüttet hat.

“Äh… es gibt ein Problem mit der Versicherung… gab er kleinlaut von sich.

— Aha? Ein Versicherungsproblem? Und jetzt versucht sie, die Schatzreserven zu knacken?”

In der Tat hatte sie es mit einer Scharmoffensive versucht, nach dem Motto: “Herr Polizist, wir können uns doch sicher einigen”. Das kommt manchmal vor. Und sie hatte es fast geschafft. Fast…

“Hör mal, hol mir doch bitte meine Strafzettel in dem Auto dort drüben? Ich habe sie aus Versehen auf das Armaturenbrett geworfen, ich habe auch seine Papiere. Du kannst ruhig hingehen, das ist keine Falle.”

Und dann habe ich das Ganze vor vorne begonnen.

“Guten Tag, Polizei, können Sie mir bitte Ihre Autopapiere zeigen.”
Ein paar Augenblicke später hat sie wieder ihren Rock gehoben, aber nur um sich um sich besser hinter ihr Auto hocken zu können und das Nummernschild zu säubern.


Haben Sie eine Bemerkung zu der Übersetzung? Schreiben Sie uns: eblogs-feedback@wikio.com
Wikio

In → Frankreich, Humor

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