Wir hatten euch doch gesagt, dass das iPad die Presse nicht retten würde!
Übersetzt von Ingmar Link. Hier der Original-Artikel auf Französisch
Der Artikel wurde auch übersetzt auf:
Wovon reden Blogger in Frankreich? Von High-Tech und Web 2.0. In der Königskategorie findet man Blogs von Geeks, die sich mit Produkten, Technologie und neuem Content beschäftigen. Novision ist ein französisches Blog, das zwei Welten verbindet: Es wird vom einem Pressejournalisten geschrieben, und es interessiert sich für neue Technologien, für die Zukunft der Presse und für technische Apps. Narvic, der Autor, hat die letzten Apps begutachtet, die die amerikanische Presse zittern lassen.
Ich habe nie gedacht (oder geschrieben), dass das iPad ein schlechtes Produkt sei und dass es keinen Erfolg haben wird. Es ist nur so, dass ich es persönlich nicht nutze. Das iPad ist vor allem ein praktisches Werkzeug um sich multimediale Inhalte anzusehen, on- und offline. Es wird jedoch nicht täglich benutzt werden (außer vielleicht im Zug oder Flugzeug), auch nicht im Büro (abgesehen von speziellen Nutzungen, für Bildungszwecke zum Beispiel). Man kann ohne großes Risiko sagen, dass es vor allem ein Massenprodukt ist, das für die Freizeit und für Zuhause dienen soll.
Und was ist mit der Presse?
Man kann zu Recht denken, dass es ein gutes Werkzeug ist, um Inhalte jeglicher Art zu lesen: Küchenrezepte… in der Küche, Spiele … im Wohnzimmer, ein gutes Buch oder ein Film… unter der Decke, Musik oder News… am Rande des Schwimmbeckens… Man kann es auch nutzen für Dienstleistungen und Shopping im Netz…Wird es die Presse revolutionieren und ihr vor allem das sagenumwobene “ökonomische Modell” liefern, nach dem sie verzweifelt sucht? Genau da sollte man meiner Meinung nach den Denkfehler suchen…
Das iPad wird nicht den “umwälzenden” Effekt auf den Pressekonsum haben, den die Presseverleger sich erhofften und der sie so begeistert hatte. Das iPad wird zwar gewisse Nutzungen erweitern, beim Lesen von Inhalten in neuen Räumen, zuhause oder zu gewissen Zeiten des Alltags, da es praktischer und bequemer ist, als ein Smartphone oder Handy. Es wird jedoch keinen grundlegenden Effekt haben, insbesondere was einen entscheidenden wirtschaftlichen Aspekt der Online-Presse angeht: die personalisierte und zerstückelte Informationsbeschaffung.
Die “Falle” der Spezial-Apps
Die Presseverleger sind mit dem iPad in eine Art Falle getappt, und zwar die der Apps für das iPad. Sie dachten, alles könnte wie früher werden: das kostenpflichtige Lesen von Informationen in Form von Paketen und unter einer Marke. Die Rückkehr zur guten alten Zeitung. Das ist ein grundlegender Fehler. Und man hätte es von Anfang an merken müssen!
Die ersten User-Feedbacks haben in der Tat diesen Standpunkt bestätigt. Benoît Raphaël (April 2010) : “Die Idee, dass ein E-Book die Gewohnheiten brutal ändern würde, nämlich dass die Leser vergessen, dass sie fünfzehn Jahre lang kostenlos im Netz surfen konnten und dass sie nun zum traditionellen Format der Zeitschrift zurückkehren, war wirklich naiv.”
Und dennoch haben die Presseverleger dran geglaubt!
Sie haben erstens nicht verstanden, dass der Erfolg ihrer Spezial-Apps auf den iPhones auf – ergonomische – Schwierigkeiten zurückzuführen war. Es war in der Tat schwierig, den iPhone Browser (Safari) zu nutzen, um genauso im Netz zu surfen wir auf einem klassischen PC. Es war nur ein vermeintlicher Erfolg – eine Aushilfe, die einem das Anpassen des Layouts ersparte. Außerdem ermöglichten diese Apps, die Inhalte herunterzuladen und sie erst später anzuschauen, denn man ist ja nicht immer über Handy verbunden.
Einerseits war zu erwarten, dass alle Webseiten irgendwann mal eigene Versionen für die Bildschirme des iPhone anbieten würden. Das hätte der Online-Presse wieder frontale Konkurrenz verschafft, wie im Netz.
Und andererseits verschwinden die ergonomischen Schwierigkeiten beim iPad. Die Größe seines Bildschirms ermöglicht das Lesen von fast allen Webseiten mit einem einfachen Browser wie Safari. Dank der permanenten WLAN-Verbindung zuhause kann man mit dem iPad auch surfen, ohne die Inhalte “vor-laden” zu müssen. Man braucht also keine Spezial-App mehr.
Die Presse-Apps für iPad müssen also wirklich einen Mehrwert bieten, damit der User bereit ist, dafür zu zahlen!
Der angekündigte Einmarsch der Aggregatoren
Was die Presseherausgeber nicht verstanden haben, ist Folgendes: Wenn ihre iPhone- (nun auch iPad-) Apps nur Zugang zu einer Seite geben, unter der Marke der Zeitung, werden andere Apps irgendwann mal das Lesen von mehreren Seiten ermöglichen, genau wie andere Aggregatoren für alles Mögliche im Netz. Im Februar erwähnte ich die französische App LeNewz, ein “GoogleNews für Handys”. Dabei stellte ich weitere, ergonomischere, sozialere, mehr personalisierbare Apps in Aussicht, die sicherlich mit dem iPad kommen würden. Und nun ist es soweit, sie sind da! Pulse News und Flipboard, für den Anfang. Mal sehen, was sonst noch so kommt.
Die New York Times hat Lunte gerochen und den Rückzug von Pulse News aus den Regalen des iTunes Store (dem App-Shops für das iPad von Apple) verlangt. Laut Christophe Lefevre von TechTrends : “Was die New York Times wirklich nicht gemocht hat war, dass es angenehmer ist, die News mit der App zu lesen, als auf der eigentlichen Seite. Die App wird zum Komkurrenten für die Zeitung, anhand ihres eigenen Inhalts. Das erinnert mich an die Polemik um Google News.”
Für die Presseverleger bedeutet das, beim iPhone wie jetzt beim iPad, eine Rückkehr zum Startpunkt. Die Bedingungen bleiben die selben wie beim Web: eine “Koopetitions-Situation” (Kooperation + Kompetition) zwischen den “alten Medien” und den neuen Intermedien für Online Information, die Aggregatoren.
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