WikiLeaks: Wir werden der Weltdiktatur digital trotzen
Übersetzt von Felix Höffken. Hier der Original-Artikel auf Spanisch
Der Artikel wurde auch übersetzt auf:
Die Reaktionen auf WikiLeaks und dessen Sprecher Julian Assange übersteigen alles, was wir bisher an digitaler Repression gesehen haben. Weigerungen, Webseiten zu hosten, Sperrung des PayPal- und des Bankkontos der Organisation… Für den spanischen Blogger Hugo Martínez Abarca riecht das stark nach einer neuen Art des Krieges: ein Cyberkrieg, der vielleicht keine Todesopfer fordert, aber der eine neue Machtverteilung zur Folge haben könnte.
Gestern war ein historischer Tag. Nachdem es über 150 Jahre lang Nazis, Diktatoren, Steuerflüchtlinge, Drogenhändler, Terroristen, Spekulanten, Banker und Fluglotsen beschützt hat, wies das Schweizer Bankwesen schließlich doch jemanden in die Schranken, der seine Daten geheim halten wollte. Julian Assange hatte ein Konto bei einer Bank mit Sitz in Genf, auf dem er Geld für seine Verteidigung sammelte. Und wie könnte es anders sein: Die Bank konnte sich eine solche Ruf schädigende Tatsache nicht erlauben und schloss sein Konto.
Diese Handlung ist ein lustiger, abstoßender Teil des diktatorischen Angriffs auf Wikileaks und Julian Assange. Kein Gericht hat beschlossen, eine Webseite zu schließen oder ein Bankkonto zu sperren… Der schlimmste Verbrecher hat ein Recht, Geld für seine Verteidigung zu sammeln. Aber in Diktaturen wird niemand mehr politischer Verbrechen beschuldigt: Dem Dissidenten werden Verbrechen angehängt, um ihn als gewöhnlichen Kriminellen darzustellen. Das, was wir gerade erleben, beweist, dass wir in einer supranationalen Diktatur leben, in der ein Dissident, der zu viel stört, bis zum Äußersten verfolgt wird. Und das mit Mitarbeit von allen angeblich so privaten und unabhängigen Organisationen.
Die gute Nachricht ist, dass wir zum ersten Mal eine globale Cyberrevolte erleben. WikiLeaks hatte die Aggressivität des Systems perfekt vorausgeahnt und am Freitag eine Antwort, die mehr an eine Militärtaktik erinnert, verbreitet. Ramón Lobo nannte sie mit Recht “den ersten digitalen Weltkrieg” – außer, dass sich hier nur eine Seite den Tod von Teilen der anderen wünscht. Als die Domain wikileaks.org gesperrt wurde, wurden direkt wikileaks.ch und wikileaks.info gesichert.
Erstere wurde die neue offizielle Webseite von WikiLeaks. Mit der zweiten wurde etwas gemacht, was man gegen mächtige Feinde nun mal macht: die Waffen an das Volk verteilen. Auf wikileaks.info wurde dazu aufgerufen, sogenannte Mirrors bzw. Spiegelseiten für Wikileaks zu erstellen, die eine Sicherheitsbarriere gegen die Cyberverfolgung sein sollen. Die zweite Waffe, die dem “Volk” gegeben wurde, ist diese Lebensversicherung in Form eines verschlüsselten Archives, das wir herunterladen sollen und öffnen können, sollte Julian Assange ermordet werden.
Neben der von WikiLeaks aufgestellten Taktik wendet sich die Cyberrevolution mit einem Boykott gegen Amazon und PayPal – wegen ihrer Kollaboration. PayPal wurde gestern auch noch Zielschreibe dieses Widerstands.Vermutlich gibt es bald einen Angriff auf Amazon. Die Schweizer Bank kann nicht angegriffen werden, da ihre Kunden zu den kriminellen Opfern der WikiLeaks Dokumente zählen.
Es gibt Angriffe, Zensur, symbolische und reale Antworten. Schlüssel zu dem Ganzen sind nicht nur die Inhalte der Wikileaks Dokumente sondern der eindrucksvolle Aufruhr, der im Netz entsteht: Wir sehen eine bloßgestellte globale Diktatur und gleichzeitig tritt zum ersten Mal im Internet eine weltweite Widerstandsbewegung auf, die die Macht hat, die Stützposten der Machthaber dieser Welt ins Wackeln zu bringen.
Vor der Wirtschaftskrise des Neoliberalismus fanden wir keine – eigentlich unentbehrliche – Antwort auf die globalen Probleme. Aber WikiLeaks hat es geschafft, die imperialistische Politikkrise zu verschärfen und jetzt liegt es in unseren Händen, den Widerstand am Leben zu halten. Von symbolischen Aktionen bis hin zu kleinen Spenden auf die Konten von WikiLeaks. Vielleicht ist dies der erste Kampf, den wir gegen die Mächtigen verlieren. Vielleicht auch nicht. Das einzige was wir wissen, ist, dass wir ohne Kampf den Krieg sicher verlieren.
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